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Siegfried Adler war der erste Sohn des in Urspringen bei Marktheidenfeld geborenen, in Nürnberg tätigen Schullehrers Meier Adler (1864–1926) und seiner ersten Ehefrau Betty Rosenstein (1867–1917). Die Familie lebte zunächst unter der Königshofener Adresse Kellereigasse 81, bevor sie spätestens 1896 nach Roth umzog. Siegfried Adler hatte einen Bruder namens Alfons, der am 1. Dezember 1896 in Roth geboren wurde und 1938 nach New York emigrierte. Meier Adler heiratete 1919 seine zweite Ehefrau Karoline Rosenstein (1877–1930).1

Adler nahm in München sein Studium auf; zunächst studierte er hier vom Wintersemester 1908/09 bis zum Sommersemester 1910, dann vom Sommersemester 1912 bis zum Sommersemester 1913.2 1919 wurde er zum Dr. med. promoviert, spätestens Anfang 1923 war er approbiert.

Siegfried Adler, der sich zeitweilig auch in Nürnberg (1924), Berlin (1931) und immer wieder München (1925, 1926, 1927, 1930, 1931) aufhielt,3 zog im Mai 1922 von München nach Bad Reichenhall in die Pension Rosenhof, Bahnhofsstraße 10. Hier war er ab 1929 offiziell als Arzt tätig. Zuvor ordinierte er im Sanatorium Dr. Dresdner, Rinckstraße 7. 1938 verließ er die Pension Rosenhof und fand im Sanatorium Dr. Dresdner eine Unterkunft. Hier war er seit dem 29. September 1938 gemeldet.

Ab 1938 wurde Siegfried Adler wie sein Kollege Gustav Ortenau in der Reichenhaller Kurliste als „jüdischer Arzt“ gekennzeichnet, am 1. April 1939 zog er höchstwahrscheinlich als Folge von Diskriminierung und Verfolgung aus unbekannten Gründen nach Krefeld-Uerdingen.4 Hier war er als „Arzt a.D." zunächst unter der Adresse Westwall 80 gemeldet. Später wurde er im sogenannten „Judenhaus" im Stadtgarten 13 einquartiert, konnte dort aber wieder ausziehen. Seine beiden späteren Adressen lauteten Bismarckstraße 87 und ab 1941 Dreiköniginnenstraße 18.5

Siegfried Adler wurde in der Shoah getötet. Am 22. April 1942 begann die Deportation. Adler wurde über Düsseldorf in das bei Lublin gelegene Ghetto Izbica verbracht, eine Transitstation auf dem Weg in die Vernichtungslager Belzec und Sobibor.6 Wahrscheinlich schon in Izbica kam er ums Leben.

 


Quellennachweise

1 Stadtarchiv Nürnberg, StadtAN GSI 180 Nr. 340.370; Stadtarchiv Bad Königshofen,

2 Ludwig-Maximilians-Universität München, Universitätsbibliothek, Personal- und Studentenverzeichnisse (https://epub.ub.uni-muenchen.de/view/lmu/pverz.html, 27.8.2019).

3 Stadtarchiv München, Auskunft Dr. Eva Tyrell, 26.8.2019.

4 Vgl. Johannes Lang, Geschichte von Bad Reichenhall, Neusatdt an der Aisch 2009, S. 755 ff.

5 Stadtarchiv Bad Reichenhall, Einwohnermeldekartei, Kurliste Auskünfte PD Dr. Johannes Lang M.A., 8.2.2018; Einwohnermeldekartei und Kurliste; Stadtarchiv Krefeld, Verzeichnis Krefelder Juden, Eintrag Adler, Dr. Siegfried; vgl. Stadt Krefeld, NS-Dokumentationsstelle, Findbuch Historische Datenbank Jüdische Krefelder.

6 Stadtarchiv Krefeld, Verzeichnis Krefelder Juden, Eintrag Adler, Dr. Siegfried; vgl. Gedenkbuch des Bundesarchives. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933 – 1945, https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de828942, 13.8.2019 (der Geburtsort ist hier zeitweilig falsch mit Bedburg-Königshoven angegeben worden).

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