Gedenken
&
Erinnern
Emigration

David Adlersberg

geb. 23.07.1897 Rohatyn (heute Westukraine)
gest. 10.01.1960 New York

Mitglied der DGIM 1927 bis 1935

 

David Adlersberg verbrachte fast seine gesamte Jugend in Wien.1 Dort studierte er Medizin, legte 1921 sein Examen ab und wurde Assistent an der I. Medizinischen Klinik des Allgemeinen Krankenhauses Wien. Er blieb 15 Jahre lang an dieser Klinik, zunächst unter Karl Frederik Wenckebach, dann unter Otto Porges und zuletzt unter dem DGIM-Vorsitzenden der Kriegszeit, Hans Eppinger. Er beschäftigte er sich intensiv mit gastroenterologischen und endokrinologischen Fragestellungen. Gemeinsam mit Porges entwickelte er das Konzept einer fettarmen Diät zur Therapie des Diabetes mellitus.2 Außerdem forschte er über Gallensäuren, Hyperventilationstetanie und über den Wasserstoffwechsel.3

Emigration

Bereits 1931 erhielt Adlersberg eine Einladung an das Mount Sinai Hospital in New York.4 Diese blieb ihm auch deshalb in Erinnerung, weil Adlersberg unter der wachsenden pro-nationalsozialistischen Stimmung litt, die sein Chef Hans Eppinger eher förderte als eindämmte. Im Juni 1936 wanderte er mit seiner Frau Gisela und seiner Tochter Margarete in die USA aus. Die Familie bestieg in Le Havre das Passagierschiff „SS Champlain“ und erreichte am 5. Mai 1936 New York.5 Adlersberg fand sofort Anstellung am Mount Sinai Hospital.6 Aufgrund seiner Reputation blieb es ihm erspart, das amerikanische Examen abzulegen; er erhielt 1939 sogar ohne Prüfung die amerikanische Facharztbezeichnung für Innere Medizin.

Adlersberg wurde zum „Associate Attending Physician for Metabolic Diseases“ ernannt und konnte seine ernährungsmedizinischen Forschungen als Chefarzt der „Nutrition Clinic“ und ab 1952 auch als Leiter eines eigenen Labors, des „Nutrition Laboratory“, fortsetzen. Es entstand eine Vielzahl von Studien. Adlersberg war zugleich als klinischer Lehrer tätig und als Assistant Clinical Professor Mitglied der Medizinischen Fakultät der Columbia University. Zudem übte er die Funktion des Konsiliararztes für Gastroenterologie am Beth Israel Hospital und am Seton Hospital aus.

Wissenschaftlich konzentrierte sich Adlersberg in seiner New Yorker Zeit auf die Sprue und das Malabsorptionssyndrom, zu dem er eine umfassende Übersichtsarbeit herausgab,7 sowie den Lipidstoffwechsel. Er arbeitete die Bedeutung der Hypercholesterinämie für die Arteriosklerose und den Diabetes heraus und untersuchte in Feldstudien an orthodoxen Juden und Hutterern, inwieweit ethnische und alimentäre Aspekte sich auf die Erkrankung auswirkten.8

David Adlersberg starb nach längerer Krankheit im Alter von 62 Jahren.

 


Quellennachweise

1 Zur Biographie Adlersbergs vgl. George B. Jerzy Glass, In Memoriam David Adlersberg, 1897–1960, in: Proceedings of the Rudolf Virchow Medical Society in the City of New York, 19 (1961), S. 22–27; H. Sobottka, In Memoriam: David Adlersberg, 1897–1960, in: Journal of The Mount Sinai Hospital, New York, 27 (July–August 1960), S. 379–381; H. David Popper. Adlersberg 1897–1960, in: Gastroenterology, 39 (Juli 1960), S. 111–112.

2 Vgl. David Adlersberg/Otto Porges, Die Behandlung der Zuckerkrankheit mit fettarmer Kost, Berlin, 1929.

3 Zum frühen wissenschaftlich-gastroenterologischen Werk Adlersbergs vgl. Isidor Fischer, Geschichte der Gesellschaft der Ärzte in Wien 1837–1937, Wien 1938, S. 179–189.

4 Vgl. Susanne von Blumesberger/Michael Doppelhofer/Gabriele Mauthe (Hg.), Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert. Österreichische Nationalbibliothek (Hg.), Bd. I, München, 2002, S. 17.

5 The National Archives and Records Administration, Washington, D.C., Petitions for Naturalization from the U.S. District Court for the Southern District of New York, 1897–1944, Series: M1972, Roll: 1383, Nr. 407163.

6 Vgl. Arthur H. Aufses/Barbara Niss, This House of Noble Deeds. The Mount Sinai Hospital, 1852–2002, New York/London 2002, wo Adlersberg freilich keine Erwähnung findet. 

7 David Adlersberg (Hg.). The Malabsorption Syndrome, New York 1957.

8 Vgl. https://www.researchgate.net/scientific-contributions/39739594_D_ADLERSBERG.

Wir verwenden Cookies auf Ihrem Browser, um die Funktionalität unserer Webseite zu optimieren und den Besuchern personalisierte Werbung anbieten zu können. Bitte bestätigen Sie die Auswahl der Cookies um direkt zu der Webseite zu gelangen. Weitere Informationen finden Sie unter Datenschutz. Dort können Sie auch jederzeit Ihre Cookie-Einstellungen ändern.

Infos
Infos
Mehr Info