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Emigration

Hans (Harry, Johannes) Guggenheimer

geb. 03.07.1886 Nürnberg

Mitglied der DGIM 1921 bis 1933

Der in Nürnberg geborene Johannes „Hans“ Guggenheimer nahm sein Medizinstudium in Berlin auf, führte es in München fort und wurde 1910 approbiert und promoviert.1 Seine Dissertation „Studien über das Verhalten hämolytischer Komplemente im salzfreien Medium“ reichte er an der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg ein.2 Im selben Jahr wurde er Assistent an der III. Medizinischen Universitäts-Klinik in Berlin unter Alfred Goldscheider (1858-1935).3 1918 habilitierte er sich an der Klinik im Fach Innere Medizin und wurde 1922 zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor ernannt.4 Gemeldet war er in seiner Berliner Zeit unter den Adressen Roonstraße 1 und später Landgrafenstraße 19.5

Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählten neben kardiologischen und nephrologischen Erkrankungen vor allem Untersuchungen zur Wirkung von Enzymen.6

1933 wurde Guggenheimer aufgrund seiner jüdischen Abstammung aus dem Universitätsdient entlassen.7 Die Lehrbefugnis verlor er 1935 aufgrund des „Reichsbürgergesetzes“.8

Zunehmende Repressionen mündeten im Entzug der Approbation Ende September 1938. Guggenheimer entschloss sich zur Flucht. Im März 1939 emigrierte er zunächst nach Stockholm.9 Schon wenige Wochen später verließ er Schweden und reiste mit dem norwegischen Schiff „SS Bergensfjord“ nach New York. Dort traf er am 15. April 1940 ein.10 Er war damit seinem 1920 geborenen Sohn Helmut Ernst Guggenheimer gefolgt, der bereits seit 1938 in den USA unter dem Namen Harold Hastings lebte. Der Vater zog zu ihm nach Cleveland/Ohio.11 Ein weiterer, 1922 geborener Sohn Hans Guggenheimers war ebenfalls in die USA emigriert und nannte sich Peter Hastings.12

Ohio war einer der wenigen Staaten in den USA, in denen die amerikanische Staatsbürgerschaft nicht Voraussetzung für die Approbation war.13 Allerdings mussten die Bewerber zusätzliche universitäre Kurse in Landesgeschichte und Fachsprache belegen, bevor ihnen die Zulassung erteilt wurde.14 Guggenheimer schrieb sich dafür an der Ohio State University ein. Im Januar 1941 wurde er approbiert und wirkte fortan wieder als Arzt.15 Am 29. Juni 1945 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft und nahm den Namen Harry Guggenheimer an.16


Quellennachweise

Vgl. Isidor Fischer, Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre, Bd. I, Berlin/Wien 1932, S. 550; Reichsmedizinalkalender 1931, S. 77. Hans Guggenheimer, Studien über das Verhalten hämolytischer Komplemente im salzfreien Medium, in: Zeitschrift für Immunitätsforschung und experimentelle Therapie, Bd. 8, Jena 1910.Vgl. Fischer 1932, S. 550.Vgl. Johannes Asen, Gesamtverzeichnis des Lehrkörpers der Universität Berlin, Bd. I, 1810-1945, Leipzig 1955, S. 65; 250 Jahre Charité, hrsgg. v. Festkomitee des Rates der Medizinischen Fakultät zur Vorbereitung der 250-Jahr-Feier der Charité, Berlin 1960, S. 91.Vgl. DGIM, Verhandlungen 1921-1933.Vgl. Fischer, Lexikon, S. 550.Vgl. Reichsmedizinalkalender 1935.Vgl. Udo Schagen, Wer wurde vertrieben? Wie wenig wissen wir? Die Vertreibungen aus der Berliner Medizinischen Fakultät 1933. Ein Überblick, in: Udo Schagen/Sabine Schleiermacher (Hg.), Die Charité im Dritten Reich. Zur Dienstbarkeit der medizinischen Wissenschaft im Nationalsozialismus, Paderborn 2008, S. 51-65, S. 59. Siehe auch: medizingeschichte.charite.de/fileadmin/user_upload/microsites/m_cc01/medizingeschichte/Publikationen/Schagen-Zerst%C3%B6rte_Fortschritte_Texte_S%C3%A4ulen1_2A.pdf.Vgl. ebd.Vgl. United States of America, Petition of Naturalization, No. 107862, Naturalization petition and record books for the U.S. District Court for the Northern District of Ohio, Eastern Division, Cleveland, 1907-1946, National archives and Records Administration, M1995, Roll 0257.Vgl. United States of America, Petition of Naturalization, No. 102009, Naturalization petition and record books for the U.S. District Court for the Northern District of Ohio, Eastern Division, Cleveland, 1907-1946, National archives and Records Administration, M1995, Roll 0245.Vgl. United States of America, Petition of Naturalization, No. 107862.Vgl. Eric D. Kohler, Relicensing Central European Refugee Physicians in the United States 1933-1945, in: Simon Wiesenthal Center Annual, 6 (1989), S. 3-36, S. 4.Vgl. ebd., S.11.Vgl. Ohio State Medical Journal 37,1 (1941), S. 179.National Archives and Records Administration (NARA), Washington, D.C., Index Cards to Naturalization Petitions for the U.S. District Court for the Northern District of Ohio, Eastern Division, Cleveland, 1855-1967, Microfilm Serial: M1893, Microfilm Roll: 10, Petition Number 6623114.

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