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Kurt Henius

geb. 30.04.1882 Thorn
gest. 02.03.1947 Luxemburg

Mitglied der DGIM 1913 bis 1940

Kurt Henius kam als zweiter Sohn der jüdischen Eheleute Julian und Emma Henius zur Welt. Sein älterer Bruder Max war bereits 1878 geboren worden. Bald zog die Familie nach Berlin. Verheiratet war der zum Protestantismus konvertierte Kurt mit der katholischen Madeleine Henius, geboren am 28. März 1897 in Longwy als Madeleine Latarse.1 Das Paar hatte vier Kinder (Madeleine, geboren am 28. März 1916; Max, geboren am 23. Februar 1919; Kurt, geboren am 24. April 1927 und Marianne, geboren am 27. April 1942).2

Kurt Henius wurde 1908 approbiert und mit einer Arbeit zum Thema „Über die Abhängigkeit der Empfindlichkeit der Netzhaut von der Flächengröße des Reizobjektes“ in Freiburg im Breisgau promoviert.3 Danach trat er eine Stelle als Assistent an der II. Medizinischen Klinik der Charité Berlin unter Friedrich Kraus (1858–1936) und Gustav von Bergmann (1878–1955) an.4 Henius habilitierte sich 1927 im Fach Innere Medizin und wurde Privatdozent. 1930 erfolgte die Ernennung zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor.5

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 wurde Henius entlassen und verlor 1935 aufgrund des „Reichsbürgergesetzes“ seine Lehrbefugnis.6 Henius blieb noch einige Jahre in Berlin; er wohnte in der Landgrafenstraße 9.7 Im Februar 1938 aber floh er mit seiner Familie nach Luxemburg. Dort wohnte er in der Pasteurstraße 119.8 Nach der Besetzung Luxemburgs durch die Wehrmacht im Mai 1940 blieb Henius den Deutschen nicht verborgen.9 1943 taucht sein Name auf einer Auflistung von „Mischehen“ zwischen Juden und Nichtjuden auf.10 Im Jahr 1947 starb Kurt Henius in Luxemburg im Alter von 65 Jahren.11

Prominent war Kurts Bruder Max, ein promovierter Jurist. Er leitete in der Weimarer Republik den von Vater Julian mitgegründeten Verlag „Neufeld & Henius“, bevor dieser in der NS-Zeit unter Wert verkauft werden musste. Max war in der Folge zeitweilig auf die finanzielle Unterstützung seines Bruders Kurt angewiesen. Da sich Max gegenüber dem Regime widerständig verhielt (unter anderem verweigerte er das Tragen des „Judensterns“), wurde er verhaftet und schließlich im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.12

Die Nachkommen von Kurt und Madeleine Henius leben heute unter anderem in Belgien und Luxemburg.13

Spuren des ärztlichen und wissenschaftlichen Wirkens von Kurt Henius finden sich an unterschiedlichen Orten. Er publizierte zu Ätiologie und Therapie der Tuberkulose.14 Darüber hinaus war er an onkologischen Fragestellungen interessiert und referierte über dieses Thema auf dem DGIM-Kongress 1928.15 Außerdem findet sich in der Ausgabe des Magazins „New Yorker“ vom Juli 1929 eine Werbeanzeige mit dem Titel „He treated German Royalty“. In ihr bewirbt Henius für die Fleischmann Company deren Bäckerhefe und ihre positiven Auswirkungen auf Obstipation und Hautprobleme.16


Quellennachweise

Zur Hochzeit siehe: Landesarchiv Berlin. Heiratsregister der Berliner Standesämter 1874–1920, Nr. 425.Für Informationen zum Lebenslauf ist Frau Angelika Hermes (Berlin) zu danken. Sie hat im Zuge der Verlegung eines Stolpersteines für Dr. jur. Max Henius umfangreiche Recherchen angestellt.Kurt Henius, Über die Abhängigkeit der Empfindlichkeit der Netzhaut von der Flächengrösse des Reizobjektes, Leipzig 1908 (Diss. med. Freiburg 1908).Vgl. Kurt Henius/Max Rosenberg, Das Marmorek-Serum in der Behandlung der Lungentuberkulose, in: Deutsche Medizinische Wochenschrift 39 (1913), S. 828–831.Vgl. Johannes Asen, Gesamtverzeichnis des Lehrkörpers der Universität Berlin, Bd. I (1880–1945), Leipzig 1955, S. 76; Festkomitee des Rates der Medizinischen Fakultät zur Vorbereitung der 250-Jahr-Feier der Charité (Hg.), 250 Jahre Charité, Berlin 1960, S. 91.Vgl. Udo Schagen, Wer wurde vertrieben? Wie wenig wissen wir? Die Vertreibungen aus der Berliner Medizinischen Fakultät 1933. Ein Überblick, in: Udo Schagen/Sabine Schleiermacher (Hg.), Die Charité im Dritten Reich. Zur Dienstbarkeit der medizinischen Wissenschaft im Nationalsozialismus, Paderborn 2008, S. 51–65, S. 59.Vgl. ebd.; Wohnstraße: Auskunft Ulrike Neuwirth (Jüdisches Museum Berlin), 2.2.2021. Die Tochter Madeleine wohnte zuletzt "um die Ecke" am Lützowufer 29 bei Leopold und Charlotte Giese zur Untermiete.  Auskunft Angelika Hermes (Berlin). Vgl. Luxemburger Einwohnerbuch, 5. Aufl. 1950-1952, S. 116. Vgl. Yad Vashem. Central Database of Shoah Victim's Names (http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=7896068&ind=0). Ebd. wird unter „Beruf“ fälschlich „Kaufmann“ angeführt.Vgl. https://www.yumpu.com/de/document/read/5252566/ocr-document-genamiorg.Auskunft Ulrike Neuwirth (Jüdisches Musum Berlin); vgl. Sven Kinas, Massenentlassungen und Emigration, in: Michael Grüttner/Heinz-Elmar Tenorth, Geschichte der Universität unter den Linden, Bd. 2, Die Berliner Universität zwischen den Weltkriegen, 1918–1945, Berlin 2012, S. 325–404, S. 325.Auskunft Angelika Hermes (Berlin).Auskunft Angelika Hermes (Berlin).Vgl. Kurt Henius/Max Rosenberg, Marmorek-Serum;Kurt Henius, Lungentuberkulose, in: Kurt Henius u.a., Spezielle Pathologie und Therapie innerer Krankheiten, Berlin/Wien 1924, S. 676–825; Kurt Henius (Mitwirkender), Erfahrungen mit dem Tuberkulomuzin Weleminsky, in: Deutsche Medizinische Wochenschrift 51 (1925), S. 2149–2150.Vgl. Kurt Henius, Studien zur Wirkungsweise chemotherapeutischer Mittel, in: Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin 40 (1928), S.113–125 (https://www.dgim.de/fileadmin/user_upload/PDF/Verhandlungen/1921-1940/1928_40_Wiesbaden.pdf).The New Yorker Magazine 1929, Werbeanzeige der Fleischmann Company (https://newyorkerstateofmind.com/tag/raoul-fleischmann).

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