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Emigration

Paul Holzer

geb. 24.02.1893 Waldenburg/Schlesien
gest. 1958

Mitglied der DGIM 1921 bis 1933

Paul Holzer war der Sohn des jüdischen Kaufmanns Max Holzer und dessen Ehefrau Helena. Er wuchs in Waldenburg (Schlesien) auf und besuchte das örtliche Gymnasium. Nach seinem Abitur 1912 studierte er Medizin in Freiburg und Breslau. Nach einer Unterbrechung durch den Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg – er war Kriegsfreiwilliger beim Grenadier-Regiment 11 in Breslau im Feldlazarett und im Festungslazarett Abteilung Yorckschule unter der Leitung von Walter Schaeffer (1883–1968), ab Februar 1917 als Bataillonsarzt in der 2. Infanterie-Radfahr-Brigade – setzte er seine Studien in Breslau fort. Dort wurde er 1918 approbiert und im Jahr darauf unter Hermann Küttner (1870–1932) mit einer allgemeinchirurgischen Fallstudie über die „Hernia en W“ promoviert.1

Holzer begann eine Stelle als Volontärarzt an der Universitätsklinik Breslau. 1921 wechselte er an das Stadtkrankenhaus im Küchwald nach Chemnitz und war dort nicht nur ärztlich, sondern auch wissenschaftlich tätig.2 Seine Fachschwerpunkte waren Innere Medizin und Sportmedizin. Im Juli 1923 übernahm er die Praxis des Kollegen Dr. Kurt Moesta in Chemnitz (Kronenstraße 1) und war fortan selbstständig tätig. Daneben engagierte er sich als Kolonnenarzt für den Arbeiter-Samariter-Bund.3

Engagement und zionistische Überzeugung

Holzer war Zionist und als solcher in verschiedenen jüdischen Vereinen aktiv. Er war Vorsitzender der Zionistischen Ortsgruppe Chemnitz und Mitglied im Landesvorstand des Dachverbandes „Zionistische Vereinigung für Deutschland“. Darüber hinaus war er Mitglied der Landeskommission des Jüdischen Nationalfonds (Keren Kayemeth LeIsrael), der den Landerwerb für jüdische Siedler in Palästina unterstützte, und im jüdischen Turn- und Sportverein Maccabi. Außerdem saß er dem Chemnitzer Jüdischen Turn- und Sportverein Bar Kochba vor, war Mitgründer des Jüdischen Jugend- und Sportheims auf dem Keilberg und gab Broschüren zur Leibesertüchtigung (darunter „Sportmassage“ mit Karl Bühren 1926) heraus.

Flucht, Verhaftung und Leben im Exil

Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten sah sich auch Holzer zunehmend antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt. 1933 fasste er den Entschluss zur Emigration. Bei einem ersten Ausreiseversuch am 31. März wurde er jedoch am Chemnitzer Hauptbahnhof verhaftet. Nach seiner Entlassung aus der „Schutzhaft“ übergab Holzer seine Praxis einem „arischen“ Kollegen, verkaufte das Wohnhaus und wanderte mit Ehefrau Hildegard (Rivka), geb. Brinitzer und den drei Töchtern Hanna, Miriam und Ruth nach Palästina aus. Die Familie wurde im Juni 1936 eingebürgert und lebte fortan in Rishon-le-Zion.


Quellennachweise

Paul Holzer, Beitrag zur Lehre von der „Hernia en W“ und der retrograden Incarceration, Diss. med. Breslau 1919; Universitätsarchiv (UA) Breslau, AUW.M185 (nicht nummeriert) - Allgemeines Studenten-Register Medizinische Fakultät Abgegangene Studenten, 1912/13.Vgl. Paul Holzer/Heinz Mehner, Über quantitative Bilirubinbestimmungsmethoden im Blute, in: Klinische Wochenschrift 1 (1922), S. 66–67; Paul Holzer/Erich Schilling, Muss die Hautreaktion nach Groer-Hecht mit der spezifischen Tuberkulinreaktion parallel gehen? in: Klinische Wochenschrift 1 (1922), S. 1654–1655.Vgl. (hier und im Folgenden) Caris-Petra Heidel (Hg.), Ärzte und Zahnärzte in Sachsen 1933–1945, Frankfurt a. M. 2005, S. 73–74; Jürgen Nitsche, Ärzte und der „Einstein-Wald“ in Palästina, in: Ärzteblatt Sachsen 3 (2006), S. 111–113; Jürgen Nitsche, Ärzte und der „Einstein-Wald“ in Palästina. Zum Engagement jüdischer Mediziner bei der Gründung und Entwicklung der Zionistischen Ortsgruppe Chemnitz (1906–1938), in: Caris-Petra Heidel (Hg.), Der Einfluss des Zionismus auf Medizin und Gesundheitswesen, Frankfurt a. M., 2006, S. 87–106.

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