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Emigration

Joshua Otto (Owzei, Owsei) Leibowitz

geb. 25.04.1895 Vilnius
gest. 10.07.1993 Jerusalem

Mitglied der DGIM 1931 bis 1934

 

Joshua Otto (Owsei) Leibowitz wuchs zunächst in Vilnius auf.1 Sein Vater war Bankier, die älteste, später in die USA emigrierte Schwester studierte Botanik. Leibowitz‘ Mutter verstarb bereits im Alter von 32 Jahren, ebenso ein jüngerer Bruder. Nach dem Tod der Mutter zog die Familie nach Riga, wo Leibowitz das Gymnasium besuchte. Nach dem Abitur studierte er in Heidelberg, unter anderem bei Ludolf von Krehl (Innere Medizin), Viktor von Weizsäcker (Neurologie), Hans Driesch (Biologie) und Karl Jaspers (Philosophie und Psychiatrie). In den religiösen Studien unterwies ihn Rabbi Salman Baruch Rabinkow, zu dessen Schülern auch der Sozialphilosoph Erich Fromm zählte. Kriegsbedingt musste Leibowitz sein Studium unterbrechen und kam als „Zivilgefangener“ nach Baden-Baden und Bad Nauheim. Mit der unter dem Namen Owsei Leibowitz verfassten Dissertation „Über die Prädilektion reflektorischer Erregbarkeiten“, die 1928 unter dem Titel „Reflexmechanismus spastischer Lähmungen“ erneut erschien, wurde er 1922 promoviert.

Kurarzt in Bad Homburg

Von 1923 bis 1925 war er am Danziger Städtischen Krankenhaus unter der Leitung des Neurologen Adolf Wallenberg tätig. 1926 wechselte er an das Sanatorium Schewa Goldschmidt in Bad Homburg von der Höhe, dessen ärztliche Leitung er vom Gründer Joshua O. Leibowitz übernahm. Die Nationalsozialisten zwangen Leibowitz zu einer Änderung seiner Lebensplanung. Wohl 1935 schied er aus dem Sanatorium aus. Schon zuvor im jüdischen Gemeindeleben engagiert, dozierte er nun am Freien Jüdischen Lehrhaus zu Frankfurt am Main zur jüdischen Medizingeschichte, etwa zu Maimonides.

Arzt und Medizinhistoriker in Jerusalem

Mit zionistischen Gedankengut gut vertraut, entschloss sich Leibowitz 1935, über Frankreich nach Palästina auszuwandern. Offenbar kehrte er aber bis 1937 mehrfach nach Europa, wohl auch ins nationalsozialistische Deutschland zurück. In Israel wurde Leibowitz Medizinhistoriker und Professor (1959) an der Hebräischen Universität Jerusalem. Zuvor war er bis 1948 Leitender Arzt des Sanatoriums Arza nahe Jerusalem, einer Einrichtung von Kupat Holim, der Krankenkasse der israelischen Gewerkschaftsbewegung Histadrut. Auch führte er eine Privatpraxis. Während der kriegerischen Unruhen nach der israelischen Staatsgründung leitete Leibowitz das größte militärische Lazarett in Jerusalem.

Noch hochbetagt wurde Leibowitz vielfach geehrt. Von 1979 bis 1986 war er Präsident der „International Academy of the Histroy of Medicine“.2 Er starb im Alter von 98 Jahren.

 


Quellennachweise

1 Vgl. zum Folgenden Jüdische Pflegegeschichte (http://dev.juedische-pflegegeschichte.de/recherche/?dataId=286720515905499&opener=131724511929199&id=131724555879435&sid=e3acbb631151a3b697398ee03207aa48, einges. 18.5.2020).

2 Vgl. Wolfgang Behn, Concise Bibliographical Companion to Index Islamicus. 1665–1980. Bd. II: H-M, Leiden 2006, S. 396.

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