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Emigration

Isidore Snapper

geb. 05.01.1889 Amsterdam
gest. 30.06.1973 New York

Mitglied der DGIM 1922 bis 1933

 

Isidore Snapper wuchs in Amsterdam in einer jüdischen Familie auf.1 Sein Vater David Snapper (1889–1973), verheiratet mit Helena Barends, war Diamantschneider. Isidore Snapper selbst heiratete am 1. Dezember 1911 die Kaufmannstochter Henrietta Maria Jacqueline van Buuren. Das Paar bekam zwei Söhne und eine Tochter.

Studium und ärztliche Ausbildung in den Niederlanden

Isidore besuchte das Stedelijk Barlaeus Gymnasium in Amsterdam. Nach einem vorzeitig abgelegten Abitur begann er 1905 im Alter von 16 Jahren ein Medizinstudium an der Amsterdamer Universität. 1911 wurde er Assistent bei Benjamin Jan Kouwer, Professor für Geburtshilfe und Gynäkologie an der Universität Utrecht. Hier war Snapper wegen mangelnder Forschungsmöglichkeiten rasch unzufrieden. 1912 wechselte er nach Groningen zu dem Physiologen Hartog Jacob Hamburger. Snapper unterstützte Hamburger bei seinen Forschungen zur Permeabilität von Zellmembranen. Am 23. Mai 1913 wurde er bei Hamburger mit einer Arbeit über die Chlorretention bei Fieberkrankheiten mit Auszeichnung promoviert. 1917 wandte sich Snapper der Inneren Medizin zu, als er sich bei Abraham Albert Hijmans van den Bergh ebenfalls in Groningen mit der Erforschung von Gallenfarbstoffen im Blut befasste. Als Hijmans van de Berg 1918 nach Utrecht wechselte, kehrte Snapper nach Amsterdam zurück. Dort wurde er Assistent von Pieter Klazes Pel, dem 1919 nach seinem Tod dessen Schwiegersohn Pieter Ruitinga folgte. Snapper wiederum wurde Nachfolger Ruitingas.

Generalist und Fußballschiedsrichter

In Amsterdam setzte Snapper den in Groningen eingeschlagenen Weg fort. Er präsentierte sich als Generalist, der entgegen der Tendenz zur Spezialisierung die Bedeutung von Internisten betonte, die ihr Fachgebiet in ihrer ganzen Breite beherrschte. Gleichwohl setzte Snapper Forschungsschwerpunkte in den Bereichen Stoffwechsel der Niere, Blut- und Lebererkrankungen und Erkrankungen des Skeletts.

Snapper prägte der Innere Medizin der Vorkriegszeit vom Wilhelmina Gasthuis aus, das 1925 neben den Binnengasthuis zur zweiten Amsterdamer Universitätsklinik ernannt wurde. Snapper lebte nicht nur für die Wissenschaft. Zu seinem Interesse gehörte auch der Fußball. Zwischen 1920 und 1931 war er Schiedsrichter in der höchsten niederländischen Liga. Der Amsterdamer Professor leitete als Schiedsrichter auch Länderspiele. Die entsprechenden Auslandsaufenthalte verband er mit wissenschaftlichen Vorträgen und Klinikbesuchen.

Neue Erfahungen in Fernost

Die zunehmende Kriegsgefahr und ein Konflikt mit der Fakultät veranlassten Snapper, die Niederlande zu verlassen. 1938 berief ihn die Rockefeller Foundation zum Professor für Innere Medizin am Peiping Union Medical College in Beijing. Snapper ließ sich mit seiner Frau in der chinesischen Hauptstadt nieder; die Kinder waren mittlerweile erwachsen und blieben zunächst noch in den Niederlanden. In China entwickelte Snapper die später bestätigte These, dass die dort vergleichsweise geringe Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der durchschnittlich niedrigere Cholesterinspiegel als in Europa mit der Ernährung im Zusammenhang stünden.

Kurz vor der deutschen Invasion in den Niederlanden reichte Snapper einen Antrag auf Verlängerung seiner Beurlaubung durch die Amsterdamer Universität ein. Dies wurde nicht genehmigt. Snapper blieb dennoch im Fernen Osten und brach seine Beziehungen zur Universität Amsterdam ab.

Neue Heimat USA

1941 wurde er als feindlicher Ausländer in Japan verhaftet, kam aber durch einen Gefangenenaustausch bald in die USA. Nach einer ersten Tätigkeit als Berater des Generalchirurgen der US-Armee wurde Snapper 1944 zum Leiter der Zweiten Inneren Klinik am Mount Sinai Hospital in New York ernannt. Zugleich erhielt er eine Professur an der Columbia University.

Snapper blieb dauerhaft in den USA. Er empfing fortan viele niederländische Kollegen, die Amerika besuchten. Einigen empfahl er eine wissenschaftliche Karriere in den USA, darunter seinem Cousin, dem Biologen Leo Vroman, und dem Arzt Willem Kolff, der während des Krieges in den Niederlanden die erste künstliche Niere entwickelt hatte. Beide folgten seinem Rat. 1952 wurde Snapper korrespondierendes Mitglied der Royal Netherlands Academy of Arts and Sciences. Im Laufe der Jahre kam er auch regelmäßig zu Familienbesuchen in die Niederlande. Während solcher Aufenthalte hielt er auch gut besuchte Vorträge und besuchte als Zuschauer Fußballspiele.

1952 verließ Snapper das Mount Sinai Hospital, blieb aber bis ins hohe Alter in verschiedenen anderen Krankenhäusern und Ausbildungszentren wie dem Cook County Hospital in Chicago und dem Beth-El Hospital in Brooklyn tätig. Zwischen 1954 und 1968 war er Herausgeber der Zeitschrift „Advances in Internal Medicine“.

Snapper galt durchaus als autoritär, sogar arrogant. Dies gehörte zu seiner charismatischen Persönlichkeit.

 


Quellennachweise

1 Dieser Beitrag basiert im Wesentlichen auf: Annet Mooij, Snapper, Isidore (1889–1973), in: Biografisch Woordenboek van Nederland, Bd. 6 (= http://resources.huygens.knaw.nl/bwn1880-2000/lemmata/bwn6/snapper, einges. 25.3.2020). Vgl. ebd. auch weitere Literaturhinweise.

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