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Unterdrückung

Julius Strasburger

geb. 26.12.1871 Jena
gest. 27.10.1934 Königstein im Taunus

Mitglied der DGIM vor 1905 bis 1934

 

Der zu Beginn der NS-Herrschaft 61 Jahre alte Julius Strasburger war ein erfahrener Internist auf dem Gebiet der Darmerkrankungen. Für das „Handbuch der normalen und pathologischen Physiologie“ (1929) arbeitete er mit späteren Nationalsozialisten wie Alfred Schwenkenbecher ebenso zusammen wie mit später Verfolgten wie Abraham Adler und Leopold Lichtwitz.1

Gründungsprofessor in Frankfurt

Der Sohn des Geheimrats und Professors der Botanik Eduard Strasburger legte 1890 in einem Bonner Gymnasium sein Abitur ab. Anschließend studierte er Medizin in Bonn, Berlin und Freiburg. Nach Promotion 1894 und Staatsexamen 1895 in Bonn war er unter Carl Gerhardt Assistent an der II. Medizinischen Klinik in Berlin. Noch 1896 kehrte er nach Bonn zurück, wo er als Assistent an der Medizinischen Klinik unter Friedrich Schultze tätig war. 1899 habilitierte er sich, 1907 wurde er Professor. 1913 übernahm er als Direktor die Medizinische Poliklinik und das Institut für physikalische Therapie in Frankfurt am Main. Bei der Gründung der dortigen Universität (1914) wurde er zum ordentlichen Professor für Innere Medizin ernannt.

Verheiratet war er seit September 1902 mit Marie-Edith Nothnagel. Zu den vier Kindern des Paars zählen der Zoologe Eduard und der Althistoriker Hermann Strasburger. Während des Ersten Weltkriegs wirkte er Julius Strasburger zunächst als Stabsarzt in Feldlazaretten, seit 1917 als Beratender Internist.2

Verfolgung und Tod

Der Nationalsozialismus riss Strasburger aus einem wohlgeordneten Leben. Ein Denunziant wies darauf hin, dass Strasburger keinen Ariernachweis würde liefern können: Julius Wertheim, der zum evangelischen Christentum konvertierte Großvater Strasburgers, galt den Nationalsozialisten als Jude.3 Strasburger erkrankte daraufhin an einer schweren Depression und wurde im Oktober 1934 in einem Königsteiner Sanatorium aufgenommen. Hier starb er sechzehn Tage nach seiner Einlieferung, am 28. Oktober 1934, an den Folgen eines Herzanfalls.4 Einen Monat vorher war ihm mitgeteilt worden, dass er zum Jahresende – mehr als 21 Jahre nach seiner Ernennung zum Direktor der Medizinischen Poliklinik in Frankfurt am Main – in den Ruhestand versetzt würde.5

Nach seinem Tod 1934 wagte es der eng mit dem Nationalsozialismus verwobene DGIM-Vorsitzende Hugo Schottmüller noch, Strasburger zu würdigen. Er sei „ein namhafter Kliniker und Forscher, ein seltener Arzt und Mensch“ gewesen: „Zuletzt las er die Poliklinik in Frankfurt a. M. und hielt vor allen Dingen Vorlesungen über physikalische Therapie. Viele seiner wissenschaftlichen Arbeiten sind weit bekannt geworden.“6

 


Quellennachweise

1 A. Bethe/G. v. Bergmann/G. Embden/A. Ellinger (Hg.), Handbuch der normalen und pathologischen Physiologie mit Berücksichtigung der experimentellen Pharmakologie, Bd. IV, Resorption und Exkretion, bearb. v. A. Adler, Ph. Ellinger, O. Fürth, H. Jordan, L. Lichtwitz, W. v. Möllendorff, R. Mond, St. Rothmann, E. Schmitz, A. Schwenkenbecher, R. Seyderhelm, J. Strasburger, P. Trendelenburg, F. Verzár, Berlin 1929.

2 Universitätsarchiv Frankfurt am Main, Lebenslauf, o.D.

3 Vgl. Gabriele Möbus-Weigt, Der Frankfurter Internist und physikalische Therapeut Julius Strasburger (1871–1934). Diss. med. dent. Frankfurt 1996, S. 73, S. 80.

4 Vgl. Möbus-Weigt, Internist, S. 82.

5 Vgl. Udo Benzenhöfer, Die Medizinische Fakultät der Universität Frankfurt am Main in der Zeit von 1933 bis 1941 im Spiegel der Sitzungsberichte, in: ders. (Hg.), Die Medizinische Fakultät der Universität Frankfurt am Main im Spiegel der Sitzungsberichte (1914–1941), Münster/Ulm 2011, S. 85–121, S. 99; Udo Benzenhöfer, Die Frankfurter Universitätsmedizin zwischen 1933 und 1945, Münster/Ulm 2012, S. 32; Harro Jenss/Guido Gerken/Markus M. Lerch, 100 Jahre Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, München 2013, S. 40.

6 [Hugo] Schottmüller, Eröffnungsrede, in: Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, Bd. 47 (1935), S. 1–9, S. 8.

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