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Emigration

Eduard Franz Schott

geb. 06.05.1886 Hagenau/Elsass
gest. 06.07.1952 bei Boston

Mitglied der DGIM 1921 bis 1940

 

Eduard Schott entstammte einer elsässischen Kaufmannsfamilie. Vater Moritz starb, als er 10 Monate alt war. Seine Mutter Eugenie Karoline zog daraufhin mit ihm und seiner älteren Schwester Rosa in ihre Geburtsstadt Worms, wo er 1904 das Abitur bestand.1 Nach dem mit Bestnoten absolvierten Medizinstudium wurde Eduard Schott 1910 approbiert. 1911 konnte er eine Assistenzarztstelle an der späteren Universitätsklinik Lindenburg in Köln antreten. Im Ersten Weltkrieg war er Arzt im Sanitätsdienst. Er erhielt das Eiserne Kreuz erster und zweiter Klasse. 1917 heiratete Schott Jenny Juliane Gumprecht in Weimar. Er hatte sie als Lazarettschwester während des Kriegseinsatzes kennengelernt. Das Paar bekam vier Kinder. Unter dem Einfluss des ihm persönlich bekannten Albert Schweitzer – beide hatten über die Musik zu einander gefunden – war er zuvor zum evangelischen Christentum konvertiert.2

In Solingen verfolgt und entrechtet

Schott habilitierte sich 1919 an der Universität zu Köln und wurde 1921 außerordentlicher Professor. 1927 wechselte er an die Städtischen Krankenanstalten Solingen. Hier war er als Chefarzt der Inneren Abteilung und zugleich als Leitender Arzt der Anstalten tätig. 1933 wurde er aufgrund seiner jüdischen Eltern zum Oberarzt degradiert, Ende 1935 zwangspensioniert. Daraufhin führte er bis zum Entzug seiner Approbation am 30. September 1938 eine Privatpraxis.

Schott war immer wieder Ziel antisemitischer Attacken. Am 6. April 1935 hing neben dem Eingang des Solinger Krankenhauses ein Plakat, auf dem in großer roter Schrift zu lesen war: „Jud Schott heraus“. Auch an der Gartenmauer von Schotts Privathaus fand sich der Spruch. Bei den Pogromen der Nacht auf den 10. November 1938 wurde Schotts Wohnung verwüstet, wertvolle Kunst (Nolde, Dürer) zerstört. Schott scheiterte mit einer Eingabe gegen seine Degradierung ebenso wie einige solidarische Solinger Bürger bereits an der konsequent im Sinne des Nationalsozialismus agierenden Stadtverwaltung.

Flucht nach New York

Derart in die Flucht getrieben, ging Schott am 11. Mai 1939 in Hamburg an Bord des Passagierschiffes „SS President Roosevelt“ und erreichte so am 20. Mai 1939 New York.3 Er ließ sich bei Boston nieder, wo er auch praktizierte. 1944 erlitt er einen Schlaganfall, so dass es ihm in der Nachkriegszeit unmöglich war, eine Einladung zur Rückkehr an die Solinger Krankenanstalten anzunehmen.

1952 starb Eduard Franz Schott im Alter von 66 Jahren nach einem zweiten Schlaganfall.

Gedenken in Solingen

Im November 2017 wurde Schott mit einer Gedenkfeier und der Enthüllung einer Gedenktafel in der Solinger Klinik geehrt.4 Am 27. Oktober 2018 wurde in Solingen ein Stolperstein zum Gedenken an Schott verlegt. Dies geschah auf Veranlassung der Solinger Regionalgruppe der IPPNW (Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs) und des „Unterstützerkreises Stolperstein“.5

 


Quellennachweise

1 Zur Biographie vgl. Ralf Stremmel, „Gesundheit - unser einziger Reichtum“? Kommunale Gesundheits- und Umweltpolitik 1800-1945 am Beispiel Solingen, Solingen 1993, S. 224 f.; Heinz Voigt, Erinnerungen an Prof. Dr. Eduard Schott. Vortrag zur Enthüllung der Gedenktafel im Städtischen Klinikum Solingen, in: Die Heimat. Beiträge zur Geschichte Solingens und des Bergischen Landes, Nr. 33 (2018), S. 66–73.

2 Stadtarchiv Weimar, Personenstandsregister Heiratsregister.

3 National Archives at Washington, D.C. Records of the Immigration and Naturalization Service. Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, 1897-1957. Year: 1939, Arrival: New York, Microfilm Serial: T715, 1897-1957, Microfilm Roll: 6333; Line: 9, S. 49.

4 Sandra Grünwald, Solingen ehrt Dr. Eduard Schott, Rheinische Post online, 11.11.2017, einges. 25.9.2019 (https://rp-online.de/nrw/staedte/solingen/solingen-ehrt-dr-eduard-schott_aid-20796173); private Aufzeichnung der Gedenkfeier unter: https://www.youtube.com/watch?v=SYCXCGEd1pc, einges. 25.9.2019

5 https://stolpersteine-solingen.de/stolperstein-am-birkenweiher-erinnert-an-mediziner-eduard-schott/787, einges. 1.10.2019.

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