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Emigration

Benno Ernst Latz

geb. 02.08.1878 Berlin
gest. 02.10.1953 New York

Mitglied der DGIM 1926 bis 1935

 

Benno Ernst Latz wurde als Sohn des Kaufmanns Emil Latz und seiner Frau Natalie Mannheimer geboren. Er hatte zwei ältere Geschwister, Martha (*1873) und Richard (*1875).1

Bis zu seinem Abitur 1897 besuchte er das Französische Gymnasium in Berlin. Nachdem er zwei Semester Geschichte und Philosophie an der Universität Leipzig studiert hatte, begann er ein Studium der Medizin in Berlin. Zum Sommersemester 1899 wechselte er an die Universität Heidelberg und bestand dort sein Physikum. Anschließend ging er für ein Jahr zurück nach Leipzig, bevor er 1901 nach Kiel kam, wo er sein Examen bestand und 1903 approbiert wurde.2 Zu seinen Lehrern zählten bedeutende Mediziner wie Heinrich Curschmann, Heinrich Quincke, Friedrich Trendelenburg und Wilhelm Waldeyer.3

Internist in Wiesbaden und Bad Homburg

Nach dem Examen war Latz zunächst in Berlin tätig und heiratete im April 1906 die evangelische Christin An(n)ita Marx (1887–1929). Latz, bislang jüdisch, konvertierte zum evangelischen Glauben seiner Frau. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor.4 Alle Kinder wurden in Bad Homburg geboren, wo Latz als „Co-Direktor“ im Sanatorium Dr. Pariser fungierte. Es handelte sich um eine auch von vielen russischen Gästen besuchte Kurklinik, die sich auf die Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen sowie von Essstörungen spezialisiert hatte.5

Nach dem Ersten Weltkrieg, in den Latz als Offizier gezogen war, musste das Sanatorium Dr. Pariser 1920 aus wirtschaftlichen Gründen schließen.6 Benno Latz wechselte nach Wiesbaden, wo er als Internist im Sanatorium Nerotal Anstellung fand.7 Er war an dieser „Klinik für innere, Stoffwechsel- und Nervenkrankheiten“ zeitweise einer der leitenden Ärzte und konnte nach 1933 noch als Belegarzt die Räumlichkeiten nutzen. 1935 aber musste er die Klinik endgültig verlassen.8

Chefarzt im Kissinger Sanatorium Apolant

1936 kam Latz nach Bad Kissingen (Menzelstraße 8), wo er die ärztliche Leitung im Sanatorium Apolant für den nach Amerika emigrierten Edgar Sigmund Apolant übernahm und eine Privatpraxis führte. Im September 1937 musste er auch hier ausscheiden. Die Privatpraxis führte er noch einige Monate weiter.

Das Verhältnis zu seiner Chefin Emma Apolant wird als gut beschrieben. Alle hatten unter dem Antisemitismus der Nationalsozialisten zu leiden. „Die kleinlichsten Schikanen“, so Benno Latz in einem Brief an Heinz Schröder, dem Ehemann von Eva Schröder-Apolant, aus dem Jahr 1950, „die offenkundigsten Bösartigkeiten, Verdächtigungen, Beschimpfungen reihten sich in steter Folge, eine an die andere. […] Frau Emmy Apolant und ich haben dann noch alle Schändlichkeiten des Jahres 1938 miterlebt. Ich wurde rechtzeitig gewarnt, so daß ich mich in Sicherheit bringen konnte, bevor die Novemberunruhen 1938 ausbrachen.“9 Latz‘ Versuch von 1933/34, den Antisemitismus der Nationalsozialisten zu unterminieren, war zu diesem Zeitpunkt längst gescheitert. Er hatte in einer in geringer Auflage gedruckten autobiographischen Buchpublikation den Patriotismus jüdischer Kriegsteilnehmer herausgestellt.10

Emigration nach New York

1938 floh Latz über Rotterdam nach New York.11 Viele seiner persönlichen Gegenstände, darunter wertvolle Kunstwerke u.a. von Gainsborough und Canaletto, wurden beschlagnahmt.12

In New York heiratete Benno Latz am 5. Juni 1939 Ethel Mork Bamberger; seine erste Frau war bereits 1929 gestorben.13

Benno Latz‘ Schwester Martha Moeser, die in Wiesbaden lebte, wurde im Januar 1944 nach Theresienstadt deportiert, wenige Monate später nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet.14 Hingegen gelang allen vier Kindern Latz‘ die Flucht aus Deutschland. Seine zweite Frau Ethel starb am 9. November 1977 im Alter von 86 Jahren in Philadelphia.15

 


Quellennachweise

1 Vgl. Benno Latz, Beobachtungen bei der klinischen Untersuchung und Operation eines Falles von Sarkoma cerebri. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der medizinischen Fakultät der Königl. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Kiel, 1903, S. 25; Erinnerungsprojekt „Biografisches Gedenkbuch der Bad Kissinger Juden während der NS-Zeit“, Eintrag Benno Latz, https://www.biografisches-gedenkbuch-bk.de/datenbank/38559.Datenbank.html?detID=359, einges. 15.5.2020.

2 Vgl. Reichsmedizinalkalender 1937, S. 472.

3 Vgl. Latz, Beobachtungen, S. 25.

4 Vgl. Erinnerungsprojekt „Biografisches Gedenkbuch der Bad Kissinger Juden während der NS-Zeit“, Eintrag Benno Latz, https://www.biografisches-gedenkbuch-bk.de/datenbank/38559.Datenbank.html?detID=359, einges. 15.5.2020.

5 Vgl. Erinnerungsprojekt „Biografisches Gedenkbuch der Bad Kissinger Juden während der NS-Zeit“, Eintrag Benno Latz, https://www.biografisches-gedenkbuch-bk.de/datenbank/38559.Datenbank.html?detID=359, einges. 15.5.2020.

6 Vgl. Jüdische Pflegegeschichte, Jüdische Orte der Kur – die Sanatorien Dr. Pariser, Dr. Rosenthal und Dr. Goldschmidt in Bad Homburg, S.3.

7 Vgl. Reichsmedizinalkalender 1931, Werbebeigabe, S. 230/231.

8 Vgl. Hubertus Averbeck, Von der Kaltwasserkur bis zur physikalischen Therapie. Betrachtungen zu Personen und zur Zeit der wichtigsten Entwicklungen im 19. Jahrhundert, Bremen 2012, S. 505.

9 Zit. n. Erinnerungsprojekt „Biografisches Gedenkbuch der Bad Kissinger Juden während der NS-Zeit“, Eintrag Benno Latz, https://www.biografisches-gedenkbuch-bk.de/datenbank/38559.Datenbank.html?detID=359, einges. 15.5.2020.

10 Mein Deutschland. Bekennerworte den nicht-arischen Frontsoldaten gewidmet von Benno Ernst Latz. Wiesbaden o.J. [1933/34]; vgl. Erinnerungsprojekt „Biografisches Gedenkbuch der Bad Kissinger Juden während der NS-Zeit“, Eintrag Benno Latz, https://www.biografisches-gedenkbuch-bk.de/datenbank/38559.Datenbank.html?detID=359, einges. 15.5.2020.

11 National Archives and Records Administration, Washington. 1940 Census, Enumeration District 31–597, Sheet 32.

12 Vgl. Erinnerungsprojekt „Biografisches Gedenkbuch der Bad Kissinger Juden während der NS-Zeit“, Eintrag Benno Latz, https://www.biografisches-gedenkbuch-bk.de/datenbank/38559.Datenbank.html?detID=359, einges. 15.5.2020.

13 Vgl. New York Times, 6. Juni 1939.

14 Vgl. Erinnerungsprojekt „Biografisches Gedenkbuch der Bad Kissinger Juden während der NS-Zeit“, Eintrag Benno Latz, https://www.biografisches-gedenkbuch-bk.de/datenbank/38559.Datenbank.html?detID=359, einges. 15.5.2020.

15 Vgl. Erinnerungsprojekt „Biografisches Gedenkbuch der Bad Kissinger Juden während der NS-Zeit“, Eintrag Benno Latz, https://www.biografisches-gedenkbuch-bk.de/datenbank/38559.Datenbank.html?detID=359, einges. 15.5.2020.

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