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Emigration

Lasar Dünner

geb. 14.06.1885 Köln
gest. 06.06.1959 auf Reise im Neckartal

Mitglied der DGIM 1921 bis 1933

 

Lasar Dünner wuchs in einer Kölner jüdischen Kaufmannsfamilie auf.1 Er studierte zunächst Zahnmedizin in Würzburg. Nach dem zahnärztlichen Examen 1907 studierte er in München und Berlin Humanmedizin und wurde 1911 approbiert. Im selben Jahr wurde er Assistent an der I. Medizinischen Abteilung des Krankenhauses Moabit unter Georg Klemperer. Während des Ersten Weltkriegs war er zeitweilig zur Reichswehr einzogen.2

Lungenforschung in Berlin

1921 wurde er Oberarzt in der II. Inneren Abteilung des Krankenhauses Moabit unter Wilhelm Martin Zinn und Klemperer. Zuvor war ihm die röntgenologische Darstellung der Lungengefäße mit Jodnatrium als Kontrastmittel geglückt.3 Klemperer schätzte Dünner und publizierte häufig gemeinsam mit ihm.4 1929 wurde Dünner, nachdem er kurze Zeit als niedergelassener Arzt gearbeitete hatte,5 Chefarzt des neu gegründeten Städtischen Hospitals Buch-West in Berlin.6 Neben seiner klinischen Tätigkeit engagierte er sich als Tuberkulose-Fürsorgearzt.7

Flucht nach England

Die Nationalsozialisten hinderten ihn seit Sommer 1933 am Betreten seiner Klinik. Gemeinsam mit seinen jüdischen Kollegen wurde er entlassen.8 In der Folge war er als Chefarzt der Inneren Abteilung am Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde in Berlin tätig. Nachdem im September 1938 allen jüdischen Ärzten die Approbation entzogen worden war, floh Dünner Anfang 1939 nach England. Nachdem er dort 1941 eine Arbeitserlaubnis erhalten hatte, leitete er eine Klinik für Berufskrankheiten (Industrial Chest Diseases Clinic) in Hull.9

Nach 1945 kam er zu Konferenzen und Tagungen wieder nach Deutschland. So nahm er im Oktober 1957 an der 3. Internationalen Staublungen-Tagung teil, die von Karl Wilhelm Jötten in Münster organisiert worden war.10

Lasar Dünner starb vor seinem 74. Geburtstag während einer Urlaubsreise im Neckartal.11

Dünner war Spezialist für Pulmologie und veröffentlichte gemeinsam mit Ignaz Zadek das Standardwerk „Die Differentialdiagnose der Lungenkrankheiten“.12 Die Arbeit hatte er bereits 1935 am Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde in Berlin begonnen, konnte sie aber erst nach dem Krieg beenden.13

 


Quellennachweise

1 Vgl. Ulrike Wolf, Leben und Wirken des Berliner Internisten Georg Klemperer (1865–1946), Aachen 2003, S. 28.

2 Vgl. Arno Kalinich/Horst-Peter Wolff, Zur Geschichte des Krankenhauses Berlin-Buch, Frankfurt a.M. 2010, S. 89f.; Wolf, Leben, S. 28.

3 Vgl. Kalinich/Wolff, Geschichte, S. 90.

4 Einen Überblick der gemeinsamen Publikationen bietet Wolf, Leben, S. 130f.

5 Vgl. Wolf, Leben, S. 29.

6 Vgl. Reichsmedizinalkalender 1931, S. 70.

7 Vgl. Kalinich/Wolff, Geschichte, S. 90.

8 Vgl. Reichsmedizinalkalender 1937, S. 184. Vgl. Kalinich/Wolff, Geschichte, S. 147.

9 Vgl. Kalinich/Wolff, Geschichte, S. 112.

10Vgl. Lasar Dünner, Pneumokoniosen durch Staub von Getreide und Saaten, in: Karl Wilhelm Jötten/Werner Klosterkötter (Hg.), Die Staublungenerkrankungen. Bericht über die 3. Internationale Staublungen-Tagung des Staatsinstitutes für Staublungenforschung und Gewerbehygiene beim Hygiene-Institut der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster/Westf. vom 29. bis 31. Oktober 1957, Berlin/Heidelberg 1958, S. 541-545.

11 Vgl. Kalinich/Wolff, Geschichte, S. 112.

12 Lasar Dünnee/Ignaz Zadek, Die Differentialdiagnose der Lungenkrankheiten, Leipzig 1948.

13 Vgl. Michael Hubenstorf/Peter Th. Walther, Politische Bedingungen und allgemeine Veränderungen des Berliner Wissenschaftsbetriebes 1925-1950, in: Wolfram Fischer u.a. (Hg.), Exodus von Wissenschaften aus Berlin. Fragestellungen – Ergebnisse – Desiderate. Entwicklungen vor und nach 1933, Berlin/New York 1994, S. 5-100, S. 93, Anm. 150.

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